Intelligenzdiagnostik          für Vorschulkinder ab dem 4. Lebensjahr und für SchülerInnen bis zu 16. Jahren

 

Neurologische Grundlagen: Wie lernt der Mensch?

Wenn kleine Kinder die Welt erfahren, wenn Erwachsene neue, unbekannte Situationen bewältigen, dann lernen sie.

Im Gehirn werden neue Verbindungen zwischen Nervenzellen geknüpft, bestehende Verbindungen verstärkt und unnötige Verbindungen aufgelöst. Je intensiver man sich mit etwas beschäftigt, desto stärker wird die Verbindung zwischen den für die Verarbeitung zuständigen Neuronen (Nervenzellen). Die Summe der einzelnen Zellen und Verbindungen kann als weit verknüpftes und engmaschiges Netz beschrieben werden. Ein Netz aus Nervenzellen, vergleichbar mit einer Landschaft mit vielen Wegen: Wege, die oft gegangen werden, sind breit und sicher. Wege, die selten begangen werden, sind schmal und schwer zugänglich. Denn Wege müssen durch Wiederholung und Benutzung „gepflegt“ werden: Ein Kind, das in seiner Kindheit nur wenige Male auf einem Fahrrad saß, kann als Erwachsener nicht Fahrrad fahren. Ein Mensch, der dagegen regelmäßig Fahrrad fährt, muss darüber nicht mehr nachdenken, sondern hat diese Bewegung automatisiert. Der oft begangene Pfad „Fahrrad fahren“ ist zu einem breiten Weg geworden, der nicht beschrittene Pfad dagegen ist zugewachsen und undurchdringbar.

Entscheidend für die Effektivität der Lernprozesse sind nicht nur die einzelnen Wege, sondern auch ihr Zusammenspiel. Wie gut sind die einzelnen Nervenzellen miteinander verknüpft? Je besser dieses Netz ausgebaut ist, desto schneller können die Wege auch benutzt werden. Je besser sich das Netz reorganisiert, indem es unnötige Verbindungen löscht und neue Verknüpfungen aufbaut, desto effektiver arbeitet es. Reorganisation und Optimierung sind wichtige biologische Grundlagen für das Lernen und die Lerngeschwindigkeit. Die Effektivität des neuronalen Netzwerkes beeinflusst direkt die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung (wie schnell kann ein Mensch Neues lernen?) und die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses (wie viel Neues kann ein Mensch lernen?). Jeder Mensch hat Bereiche, in denen er  schneller, und Bereiche, in denen er langsamer lernt. Menschen lernen auch in der Summe unterschiedlich schnell und verschieden effektiv.

Kinder mit einer Lernbehinderung zeichnen sich diesbezüglich als eher uneffektive, langsame Lerner aus, die häufig über keine, eine falsche oder eine einseitige Lösungsstrategie verfügen.

Ihr Lernen kann durch neurologische Schädigungen beeinträchtigt sein. Durch fehlende Verknüpfungen der Nervenzellen können Denkprozesse verlangsamt werden: Die Menge der Information, die auf einmal verarbeitet werden kann, ist begrenzt (geringere Kapazität im Arbeitsgedächtnis) und die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung ist reduziert.

Fällt Kindern das Lernen schwer, können sie kaum breite Straßen aufbauen und es wird für sie immer anstrengender, Neues zu erlernen und Altes zu behalten.